Rentierst du dich?

„Und, was kannst du später mit deinem Studium machen?“ – mit der Frage der Verwertbarkeit des eigenen Studiums muss sich, so scheint es, jedeR mal beschäftigen. Für manche gestaltet sich die Antwort aber schwieriger als gedacht. Und das ist gut so. Es muss sich ja schließlich nicht immer alles unmittelbar rentieren, oder?

Leider doch – so zumindest der Tenor. Und so sitzen auch wir irgendwann da und hoffen, dass die Kosten/Nutzen Rechnung gut ausgeht. Da entscheidet sich der eine doch für das Studium mit der klaren Berufs-ausbildung, dort rechnet sich die andere den Profit von Sparen gegen den einer lange geplanten Reise aus. Und weil man/frau ja selbst sparen muss, die Angst vor Verschuldung wohl bekannt und die große Frage, wie das Minus am Konto gedeckt werden soll, immer noch unbeantwortet ist, scheint es nur selbstverständlich, dass es Vater/Mutter Staat nicht anders geht. Sparpaket hier, Ausverkauf dort, Privatisierung, Kündigungen – das ist halt so? Tja, diese Wertvorstellungen lassen uns einfach nicht los, kapitalistische Denkmuster prägen unser Leben – und oft, so scheint es, fällt uns das gar nicht mehr auf. Aber das muss nicht so sein. Es geht auch anders.

there is no alternative? T.I.N.A.

Die derzeitige Wirtschaftspolitik ist kein Naturgesetz. Dem vorherrschenden neoliberalen Mainstream zu folgen ist eine bewusste Entscheidung. Doch zu geschickt haben die GewinnerInnen vom Kapitalismus ihre wirtschaftspolitischen Dogmen verankert. Alternative Wege in der Wirtschaftspolitik werden als verstaubt-romantisch abgetan und finden keinen Platz daneben. Offensichtlich wird diese Einseitigkeit bei genauerer Betrachtung der Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises: Ganze acht PreisträgerInnen (in 38 Jahren) gehörten ein und dem selben Think Tank, nämlich der Mont Pèlerin Society an. Diese „Denkfabrik“ gilt als wichtiger Knotenpunkt neoliberaler Politik, die es sich – kurz gefasst – zum Ziel gemacht hat, den Liberalismus auf neue Beine zu stellen und den Sozialismus zu widerlegen. Hatte Margeret Thatcher also recht mit ihrem „there is no alternative“? Kann sich keine andere Wirtschaftsform durchsetzen?

There are thousand alternatives! T.A.T.A.

Es gibt Alternativen. Und zwar viele. Nur hören wir davon selten. Was in den 70er Jahren noch selbstverständlich war, gilt heute als weltfremde Utopie. Die Privatisierung von Kosten und Risiken ist jedenfalls nicht der einzig mögliche Weg.

Um reale Alternativen zu verwirklichen, muss zunächst die Wirtschaftspolitik demokratisiert werden. Entscheidungen gehören raus aus dem stillen Kämmerlein, hinein ins Licht der Öffentlichkeit. Ein Kritikpunkt, der zwar seit den späten 90ern mit dem Aufkommen der organisierten Globalisierungskritik immer mehr ins Bewusstsein geraten ist, aber immer noch weit von der Erfüllung entfernt ist. Der Weg, der mühsam frei gemacht wurde für das Bekenntnis zu sozialer Sicherheit, zu gleichen Chancen durch Bildung, zu arbeitsrechtlichen Grundsätzen, wird seit Jahren Stück für Stück wieder abgetragen.

Doch es gibt konkrete Möglichkeiten abseits dieses Mainstream, die weder die Einführung des Sozialismus noch die Abschaffung von Privateigentum voraussetzen. Staatliche Maßnahmen können (natürlich) für mehr Wohlstand oder weniger Arbeitslosigkeit sorgen – etwa durch öffentliche Investitionen oder arbeitsrechtliche Standards. Ein anderes Beispiel ist der freie Zugang zu Wissen und Bildung: Das kostet Geld, ist aber für eine Demokratie notwendig. Wirtschaftliche Verwertbarkeit kann nicht immer das einzige Kriterium sein.

Besonders für den Staat gilt: Es muss sich nicht alles rentieren!

 

Unter sich bleiben

Das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen, kennen nicht nur progressive ÖkonomInnen, sondern auch diejenigen, die sich im Österreichischen Bildungssystemänderungen herbeiwünschen. Denn auch die Bildung ist nicht gefeit vor „T.I.N.A.“.

Schritt für Schritt wurden die Universitäten immer mehr zu einer Ausbildungsstätte. Die Idee, Bildung als Wert an sich zu verstehen ist ins Abseits geraten. Aber Bildung kann mehr und muss mehr können. Bildung ist der Grundstein für die eigene Entwicklung, die Basis für jegliche Emanzipation, gleichzeitig aber auch Motor für eine Gesamtgesellschaft, für Veränderung und Entwicklung.  Ziel sollte daher sein, einen freien und gleichberechtigten Zugang zu Wissen und Bildung zu ermöglichen, um politischen, sozialen und technologischen Fortschritt zu erzielen. Aber unsere Universitäten verfolgen leider ein anderes Ziel: Zugangsbeschränkungen werden verlängert, Knock Out Prüfungen werden zum Alltag. Möglichst wenige auf die Uni, „unter sich“ bleiben, so gut es geht.

wer zahlt schafft an

Durch die stetige „Verschulung“ verliert die Universität ihren wissenschaftlichen Anspruch - über kurz oder lang wird damit auch der Keim für neue Ideen erstickt. Bleibt kein Platz an den Unis zu Forschen und zu Diskutieren, wird Wissen stetig reproduziert, Veränderung unmöglich gemacht. Die Wissenschaftlichkeit zieht sich zurück in Kleingruppen, in Forschungszentren, finanziert von privaten Mitteln, nicht von der öffentlichen Hand. Platz für Neues gibt es also nur für wenige, für eine kleine Elite.

Und Eliten sind ja nicht gerade dafür bekannt, ihre Mitglieder besonders vielfältig auszusuchen. So sind es oft Frauen, die hier durch die Finger schauen. Das hat zwei gravierende Auswirkungen: Einerseits stoßen Frauen dadurch oft an gläserne Decken, andererseits wird aus männlichen Gesichtspunkten entschieden, woran geforscht wird. Bestes Beispiel: die Medizin. Krankheiten, die vor allem Männer betreffen, sind weit aus besser erforscht und können in Folge auch effektiver bekämpft werden.

Die Unis müssen nicht so bleiben, wie sie sind. Studierende haben ein Recht dazu, über Lehrpläne, die Organisation der Universitäten sowie die Verteilung von Mitteln mit zu entscheiden. Es braucht dringend ein Umdenken in der Bildungspolitik, weg vom Elitekurs, hin zu einer breiten Universität, einer offenen Uni.

Veränderung braucht Bewegung

Veränderungen in der Bildungspolitik werden genauso wie Veränderungen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht von alleine kommen. Um Alternativen umzusetzen braucht es das Engagement vieler. JedeR kann dazu beitragen, sich dem jetzigen Mainstream zu widersetzen. Mach mit bei der VSStÖ Initiative gegen den Zwang zur Verwertbarkeit.