Schattenplätze

„Ich habe einen Traum. Ich bin eine Frau... Ich schlendere durch die Straßen... Erschrecke nicht als sich rasche Schritte nähern ... Ich bin eine Frau ich kann überall hingehen. Ohne Angst. Die Welt steht mir offen.“

So beginnt Alice Schwarzer damit zu beschreiben, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, in der Frauen und Männer gleichberechtigt miteinander leben. In der Realität sprechen die Tatsachen eine andere Sprache. Dass Frauen und Männer in unserer Gesellschaft nicht gleichberechtigt sind zeigt sich in vielen Lebensbereichen.

Frauen verdienen durchschnittlich um 1/3 weniger als ihre männlichen Kollegen in gleichen oder gleichwertigen Berufen. Dabei ist Österreich im EU-Durchschnitt in Sachen ungleiche trauriger Spitzenreiter. Laut des Gleichbehandlungsberichtes der EU-Kommission gibt es höhere Lohnunterschiede nur noch in Estland, der Slowakei und Zypern. Die Gründe für diesen Unterschied sind vielfältig: Zum einen: Frauen in gut bezahlten Spitzenfunktionen sind eine Seltenheit. Nur 10 Prozent der Vorstandsmitglieder und 3 Prozent der Geschäftsführenden größerer Unternehmen in der EU sind Frauen. Zum anderen: Jene Berufe, in denen viele Frauen arbeiten - also typisch „weibliche Berufe“ - sind traditionell im Niedriglohnsektor angesiedelt. Dazu kommt, dass viele Frauen in schlechten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Also Teilzeit oder geringfügig. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Betreuung von Kindern nach wie vor als Frauensache angesehen wird. Deutlich wird das daran, dass der Anteil von Männern, die ihren Anspruch auf Kindererziehungszeiten wahrnehmen gerade einmal 2% beträgt. Ebenso werden Haus- und Pflegearbeit zum überwiegenden Teil von Frauen erledigt werden. Diese wird nicht entlohnt. Kurz gesagt: Frauen verrichten in Österreich den Großteil der gesamten, anfallenden Arbeit, erhalten dafür aber nur einen Bruchteil des ausbezahlten Lohns.

Mannsweiber

So unterschiedlich politische Parteien in ihren Programmen sind, in einem essentiellen Faktor gleichen sie sich meist wie ein Ei dem anderen. Ihre Spitzenpositionen erscheinen „frauenresistent“. Keine österreichische Partei, an deren Spitze im Jahr 2006 eine Frau steht. In ganz Österreich gibt es momentan unter lauter Männern nur eine einzige Landeshauptfrau.
Auch wenn das Bekenntnis zur Gleichstellung der Geschlechter mittlerweile zum guten Ton gehört, bleibt es in der Realität uneingelöst. Heikel wird es immer an dem Punkt an dem Männer begreifen, dass um eine gerechte Verteilung der Macht zwischen den Geschlechtern zu gewährleisten, Männer Macht abgeben müssen. Nicht selten stoßen Frauen deshalb nach wie vor an erbitterten Widerstand sobald sie in obere Führungsetagen eindringen. Zu kämpfen haben sie dabei meist mit sehr subtilen Mechanismen. Das beginnt bei der unterschiedlichen Wertung von Verhalten von Männern und Frauen: Er hat eine klare Haltung, sie ist starrköpfig, er ist ein Kämpfer, sie ist ein Mannsweib. Er übt seine Autorität klug aus, sie ist machtbesessen. Solange aber Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Forschung und in unserem Rechtssystem von Männern dominiert sind, werden Anliegen von Frauen weiterhin nur „nebenbei“ beachtet. Nicht zufällig ist z.B. unser Rechtssystem nach wie vor in vielen Teilen sexistisch. Höchste Zeit also für einen Machtwechsel. Damit Frauen nicht darauf angewiesen sind, dass Männer Frauenanliegen mitdenken. Zeit, dass Frauen mächtig genug sind, diese selbst zu vertreten.

Drück der Welt deinen Stempel auf!

Wenn du dich mit diesen Ungerechtigkeiten nicht mehr abfinden willst. Wenn du findest, dass es Zeit wird etwas zu verändern, dann begnüg dich nicht damit, dass andere für dich entscheiden. Ärgere dich nur darüber, dass die Dinge so sind wie sie sind. Denn es kommt darauf an sie zu verändern. Also: Drück der Welt deinen Stempel auf!