Bildung als Handelsgut?

Was ist Bildung?

 

Bildung hat in jedem Weltbild eine ganz besondere Stellung, da sie meist Träger der Kultur und somit auch für deren Reproduktion zuständig ist. Es soll jedoch gar nicht näher auf den Bildungsbegriff und seine Bedeutung eingegangen werden, denn jeder Streit darüber erübrigt sich zurzeit: Bildung wird zur Ware, der Wert von Bildung wird zu ihrem Preis.

 

Dabei spielen eine Reihe von Faktoren zusammen. Getragen wird diese Entwicklung von dem neoliberalen Grundgedanken, dass eine private und vor allem wettbewerbsorientierte Organisation immer „effizienter“ sei. Daher müsste auch der „Output“ größer sein, wenn beispielsweise Universitäten sich selbst im Wettbewerb miteinander organisieren, wenn sie kostendeckend agieren, der Staat sich möglichst aus dem Bildungssektor zurückzieht. Mit größtmöglichem „Output“ werden natürlich nicht gesellschaftliche Weiterentwicklung oder Grundlagenforschung gemeint, sondern Ergebnisse für die Wirtschaft – Technologien und „Humankapital“.

 

"Kommodifizierung"

 

ExpertInnen im Bildungsbereich sprechen daher seit einiger Zeit von der „Kommodifizierung“ (commodum = Ware) der Bildung. Was zur Ware wird, muss auch handelbar sein, und damit wird letztlich die Bildung privatisiert. Auch wenn es in Österreich noch nicht ganz so weit ist, zeigen sich bereits erste Ansätze – die zugehörigen internationalen Verträge wie das Dienstleistungsabkommen GATS hat Österreich schon lange unterzeichnet.

 

Gegenwärtig befindet sich unser Bildungssystem in einer Art Vorbereitungsphase für die Privatisierung. Das wird von der Politik auch immer wieder ganz offen ausgesprochen. Begonnen wurde bei den Universitäten mit der Einführung der Studiengebühren. Denn ein „Unternehmen,“ das keine Einnahmen hat, lässt sich schwer verkaufen. Gleichzeitig müssen natürlich die Leistungen, zu denen das Unternehmen verpflichtet ist, eingeschränkt werden, denn unbegrenztes Angebot minder den Preis – her mit Platzbeschränkungen und Zugangsbarrieren. Des Weiteren würde ein demokratisch geführtes „Unternehmen“ wohl nur sehr schwerfällig funktionieren – also musste im Universitätsgesetz 2002 der Großteil der inneruniversitären Macht zum Rektorat verschoben werden.

 

Soll es so weiter gehen?

 

In das gleiche Bild reihen sich auch die geplante „Eliteuniversität“ und die Umstellung auf das Bacc/Master-System ein. Bei den Schulen war die Politik bislang noch vorsichtiger, aber die massive Verhinderungspolitik der Gesamtschule ist wohl kaum egalitär. An manchen (konservativen) Ecken werden sogar schon Rufe nach der Wiedereinführung des Schulgeldes laut.

 

Diese Entwicklung - die sich derzeit in ganz Europa vollzieht – ist nicht nur das Ende sozialer Aufstiegschancen für Menschen aus bildungsfernen Schichten. Sie ist auch das Ende von Bildung als emanzipatorischem Faktor (individuell und gesellschaftlich). Bildung gilt nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Eine solche Entwicklung ist in einer so genannten „Wissensgesellschaft“ ein ernstes Warnsignal. Lassen wir uns unser Recht auf Bildung nicht wegnehmen. Lassen wir Bildung nicht zur Ware werden.